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Terrassenbäuche

Posted in psychodocx nebenwort on September 1st, 2009

psychodocsodysse

psychodocs nebenwort frisch ab der gedankenpresse

Über Terassen, dicke Bäuche und die Interaktion zwischen Körper und Geist

Nach der langen Phase schlechten Wetters, drängte sich nicht nur meine Leiblichkeit ins Freie. Auf der Fahrt in die Stadt gehen auch die Gedanken auf Tour. Da habe ich nun einen ins Auge stechenden Gegensatz festgestellt.
Es gibt Menschen, die gehen nach draussen um zu sitzen, und Menschen die nach draussen gehen um aktiv zu sein. Beide sind gestartet, um nach der Regenzeit die Plätze an der Sonne einzunehmen. Indem der Arbeiter durch sein Tun nicht nur Sinn findet, wenn er seinen Buckel tüchtig der Sonne entgegenhält, ist der Terassenmensch mit einem Platz an der Sonne augenscheinlich zufrieden. Sein eigentliches Ziel ist es einfacherweise, dort sitzen und ausruhen. Er muss aber bemerken, dass sein ursprünglicher Gedanke, nämlich ausruhen und geniessen, bald in Brüche geht. Mehrere Wünsche und Gedanken lassen seine Behaglichkeit in Brüche gehen. Wollte er eigentlich nur entspannen, sieht er sich nun im Strudel von attackierenden Begehren. Bauch und Geist lassen ihn nicht in Ruhe. Hat er die Erstkonsumation bereits hinter sich, dreht sich sein Kopf nun fremdgesteuert. Er dreht sich, wenn ein interessanter Mensch seinen Gesichtskreis passiert. Er dreht sich wenn das Servierpersonal auftaucht. Eine zurückgestellte Arbeit lässt ihn bald wieder still vor sich hin blicken. Herumstehendes Personal zieht seinen nun verunsicherten Blick erneut an. Infolge muss er sich fühlen wie ein nach links und rechts gedrehtes Spielzeug in den Händen eines Gedankenverlorenen. Er kommt schliesslich zum Schluss, dass er den Sinn seines Seins unter der Sonne füllen muss. Auf die einfachste Art wird er seine Verwirrtheit lindern und an seinen Bauch denken. Still murmelnd wird er seinem treuen Freund nun noch was gutes Tun und ein Bier bestellen. Dem Bauch ist das gerade recht, denn er weiss schon längst, würde sein Chef nur an ihn denken, hätte er keine andern Probleme. Würde er einsehen, dass die Füllung des Bauches das wichtigste ist, würden ihn andere Begehren gar nicht belästigen. Die Probleme auf Deck mit schwierigen beinahe unlösbaren Wünschen würde, wenn der Fokus nur auf dem Bauch läge, gar nicht ins Gewicht fallen. Er müsste nicht dauernd seinen Kopf wenden. Geradeaus nach vorne schauen, seinen Bauch nicht vergessen, das würde genügen, um den ganzen Körper zufrieden zu stellen. Das Rollenspiel zwischen Bauch und Geist muss ganz einfach von unten nach oben gelöst werden. Hat der Terassenmenschg genug im Bauch, sind die Gedanken dann wirklich frei und der Mensch kann sich entspannen. Denn schliesslich sind die Anweisungen die vom Bauch aus kommen einfach und verständlich. Verwirrendes kommt nur vom Geist. Zur Zufriedenheit braucht er nur ein Getränk und dann und wann einen tüchtigen Happen. So überlebt man nicht nur den Nachmittag, sondern auch die übertriebenen Wünsche des Geistes. Der Bauch sagt sich also, wäre ich das Zentrum des Menschen, wäre das Leben einfach. Wünsche des Geistes sollen erst nach aussen gelangen, wenn durch des Bauches Filtrierung sichergestellt ist, dass die abwegigen Gedanken des Geistes den Gesammtfrieden nicht behindern. Nicht umsonst heisst es, soll der Mensch etwas werden, muss er tüchtig essen. Bleibt nur zu sagen oder zu definieren, wie sich eine Bauchesgelehrtheit auch im alltäglichen Leben etablieren könnte. Hat man aber diese Schrift genau gelesen, sollte auch dies nicht schwer sein. Immer zuerst an den Bauch denken, dann sind andere Entscheidungen plötzlich nicht mehr schwer.

immer vollgas mit psychodoc

Bahnhofshölle

Posted in blugunkels storyride on September 1st, 2009

Etwa fünzig Meter vor mir hob sich das Dach. Wie von Geisterhand bewegt, stieg es halbhimmelhoch empor um dann an die genau gleiche Stelle zurück zu plumpsen. Dies war das Ereignis, welches nicht nur meinen Tag einschneidend veränderte, sondern auch den Tag aller Andern.-

Gerade eben bin ich doch in den hintersten Doppelstockwagen eingestiegen. Tief  versunken in das Bewusstsein, dass mein heutiger Tag ein spezieller sein würde. Plötzliche Schreie hoben mich aus der Tiefe der Gedanken. Wie ein Artist der auf dem Trapez in die Höhe gezogen wird, tauchte ich stetig in die Kuppel der realen Welt auf. Vor uns standen die Wagen nicht mehr auf dem Geleise. Eine grosse Staubglocke verhinderte besseres Erkennen. Schemenhaft reihte sich das Unglück vor uns auf. Während unser Wagen noch am selben Platz stand, Gott musste
uns gnädig gewesen sein, war der sonstige Schienenalltag total durcheinander gebracht. Und allmählich konnte man das Ausmass der Verwüstung erkennen. Die Detonation hatte die ehemalige Bahnhofshalle in den Vorhof der Hölle verwandelt. –
Mein Gemütszustand rutschte vom Regen in die Traufe. Hatte ich geradeebennoch gedankenverloren über die erfolgreiche Durchlebung meines Tages nachgedacht, zog mich das aktuelle Geschehen nun flutwellenartig in einen schockartigen Zustand. Anstatt mich weiterhin am Strand der guten Gedanken sonnen zu können, steckte mein Gewissen ohne bei mir nachzufragen ein neues Tagesziel ab. Langsam und leise zog es mich zu der Erkenntnis hin, dass weiteres Träumen nun nicht mehr erlaubt ist. Dabei hatte der Tag doch so gut angefangen. Alles hatte gestimmt an diesem morgen. Der Hund liess mich nicht ohne freudige Begrüssung aufstehen. Der Lärm den ich in der Küche verursachte muss für meine Familie weckermässig gewesen sein.  Und die Kinder zankten sich schon kurz nach dem Aufstehen. Hervorragend war also der Tagesbeginn. Schliesslich war da auf dem Weg zur Arbeit noch die -häschmer än Stutz- Frage. Unüblich war nur die Erhöhung auf Franken zehn.
Jetzt, fünf Minuten nach der Detonation, musste ich meine Einstellung überprüfen. Einfach abschleichen und weiter romantisieren wäre möglich, aber nicht förderlich für ein frohes Gewissen. Da war nur der schockartige Zustand in den ich gefallen war. Ihn musste ich abstreifen, um nicht wie ein Breakdancer zu wirken, der in seinen Zuckungen erstarrt ist.  Schliesslich ging es darum, wie das Küken das Ei zu verlassen und sich der Realität zu stellen. Die Glocke zum Wachwerden hatte geschlagen. Ächzend schälte ich mich also aus der nicht selbstverschuldeten Lethargie. Erste Hilfeleistung war gefragt. Schliesslich war unser Wagenteil unversehrt geblieben. Ich und die andern-  wir stürmten nun aus dem Wagen. Das heisst, ich, infolge persönlicher Datenverarbeitung, ein bischen später. Aber nicht zu spät um jemandem Hoffnung zu bringen. Beseelt stürmte also auch ich aufs Perron. Meine Erste Hilfe galt nicht einem Verunglückten, sondern einem Sitznachbarn. Kaum dass er draussen war, fiel er hin. Mir scheint er hat seine Gedankenverlorenheit nicht bewältigt. Wie sonst kann es sein, dass er auf den Anblick nicht gefasst war. Ich legte ihn also in die Lage aus der ich kam  und kümmerte mich um das weitere…