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interpretation von r.bradleys heilige der insel gil

Rebecca Bradley/ Bradley auf LB/ der Heilige der Insel Gil, c 1997 Bastei Lübbe/ Originaltitel: Lady in Gil/ ins Deutsche übertragen von Frauke Meier/ softfax S.380

 

Mission möglich: ein Schreiber folgt seiner Bestimmung

Es gibt sie eben doch, die Romanautoren die das Genre wechseln können. So gemacht hat es die eigentliche Krimiautorin Rebecca Bradley. Mit dem der High Fantasy anzurechnenden – Die Heilige der Insel Gil – eröffnet sie eine Trilogie mit Geschichten aus einer abenteuerlichen, feudalen Zeit.

Es ist die Welt des Archipelagos, der freien Nationen und der vorherrschenden Macht der Sheraner. Sie haben die Insel Gil erobert, die Heimat der Flemen, üben dort eine Gewaltherrschaft aus. Einigen Flemen gelang die Flucht. Im Exil suchen sie nach einem Weg, ihr Land zurückzugewinnen. Dabei halten sie sich an eine althegebrachte Tradition. Nur ein Spross Oballefs, der so etwas wie ein Patron der Insel ist, kann die Rückgewinnung einleiten. Viele heldenhafte aber nutzlose Taten wurden schon vollbracht, die zu nichts führten als zum Tod, als Tigrallef an die Reihe kommt, der zwanzigste Spross Oballefs. Er ist kein Soldat und kommt nur an die Reihe, weil seinem Bruder gerade das Bein amputiert wurde. Er ist Schreiber im Archiv und hält nichts von diesem sogenannten Ehrenkodex.

Nichtsdestotrotz ist Tigrallef das einzige Mittel, die einzige Option für die Exilflemen. Denn es geht die Sage, ein Spross Oballefs muss die Heilige finden und eine Beschwörung durchführen. Tigrallef wird nach Gil eingeschifft. Die Suche nach der Heiligen, die in einem alten Stollen vermutet wird, beginnt. Auf seine Art wird der Schreiberling zum Helden.

Die Beurteilung und Besprechung von die „Heilige der Insel Gil“, muss vor allem durch zwei Fragestellungen geschehen. Bevor aber diese Thematik beleuchtet wird, kann man feststellen, der vorliegende High Fantasy Roman lohnt sich auf jedenfall zu lesen. Er bringt die Zutaten, die für ein Menu dieses Genres nötig sind, Neuschöpfung einer Welt, interessante Charaktere und andere Kreaturen, Ausprägung in Religion und Sprache, und jede Menge Spannung. Gewürzt mit einem witzig ironischen Schreibstil der Autorin.

Nun aber zu den zwei Fragestellungen. Seit das Fantasy Genre durch die Erfolge von Tolkiens Herr der Ringe ein wenig mehr aus der kleinen Literaturnische herausgerückt ist, ist es nur richtig, jede Folgegeschichte an dem Massstab zu messen, den jener Professor der Sprache festgelegt hat. Tolkien selber hat, ausgehend von Sprachneuschöpfungen, ganze Welten, Völker und Legenden entworfen. Ausserdem ist es ein Charakteristikum der Werke Tolkiens, das den Mächtigen der Welt durch unbedeutende, unscheinbare und schwache Wesen, ein Bein gestellt wird. Bradley Rebecca folgt dieser Tradition. Tigrallef, kurz Tig genannt, ist ein Schreiber, kein Kämpfer. Stellt sich der Aufgabe nicht als ausgebildeter Soldat. Tig nimmt zwar ein paar Waffen mit, die er aber zu langsam und zu ungeschickt einsetzt. Seine wirkliche Waffe ist sein Wissen, dass er sich durch lange Nächte im Archiv erworben hat. Er beherrscht ausserdem die Sprache der Eroberer. Und die Autorin kreiert mit dem alten Gestensystem eine genrewürdige Sprache. Die Beurteilung des Werkes auf der Grundlage von Tolkiens Welt, ist die eine Seite.

Die andere Seite, die andere zu Beantwortende Frage, ergibt sich aus der Sicht der Autorin. Rebecca Bradley hat als Frau einen High Fantasy Roman geschrieben. Wieder mal ne Frau in einer Männerdomäne! Kann sie als Frau einen genrewürdigen Plot entwerfen? Diese Fragestellung muss hier an dieser Stelle darum aufs Korn genommen werden, weil an anderer Stelle dem Roman eine gewisse Spannungslosigkeit vorgeworfen wird. Die Geschichte vermisse, so die Meinung, mit fortschreitender Handlung an nötiger Dramaturgie. Das stimmt so nicht. Die Handlung um den Helden Tig enthält sehr wohl Spannung. Das stellt man daran fest, dass Rebecca Bradley den Weg Tigs konsequent bis zum Schluss beschreibt. Was allerdings fehlt, sind Schlachten und Szenen, in denen Tig sein Schwert zieht. Das hat er auch nicht mehr dabei. Das erste Mal, als er das Schert ziehen musste, fällt es aus seiner Hand. Tig hat sich, entgegen seiner heldenhaften Vorgänger, die allesamt beim Versuch die Heilige zu finden gestorben sind, gegen den Ehrenkodex entschieden. Er würde den Schwachen töten, wenn er müsste und er nimmt Hilfe vom Geheimnetz der Exilflemen an. Beides Entscheidungen, die ein Held der dem Kodex verhaftet ist, so nicht vollziehen würde. Tig hat sich für die Geheimhaltung, List und gegen offenen Krieg entschieden. Geht auf verborgenen Wegen zu den alten Stollen im Gilgard, wo man die Statue vermutet. So setzt die Autorin in Kampfhandlungen nicht auf brachiale Gewalt, sondern immer wieder auf Giftpfeile aus dem Hinterhalt.

Und Bradley Rebecca bringt entscheidend Frauen ins Spiel, die ob Gut oder Böse, eine Rolle spielen. Eine Sicht der Dinge, die man bei Tolkien vermisst. Auch bei ihm kommen Frauen vor, spielen aber eine untergeordnete Rolle. Die Autorin setzt also mit der Geschichte um die Heilige auf eine andere Art von Spannung. Sie ergibt sich vor allem aus der Entscheidung Tigs, keinen Helden zu spielen. Aus dem Weg, den er im Vertrauen auf fremde Hilfe geht. Aus der Spannung die entsteht, wenn ein Antiheld mit seinem Vorgehen das vorherrschende System ins Wanken bringt. Tig ist nicht mal mutig. Und er missachtet den Rat der Exilflemen und bringt dadurch jede Menge Spannung in die Geschichte. Die Heilige der Insel Gil, ein Buch das es schafft, den Leser in eine andere Welt zu versetzen. Ein ketzerisches Buch überdies, weil es dem ritterlichen Ideal von Ehre und Ruhm den Wasserhahn zudreht.

 

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